TAZ Berlin, 5. März 2010 
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FRAUENRECHTE ZUM FRAUENTAG
Mehr Frauen nach oben
Berlins Frauensenator Harald Wolf will die
öffentliche Ausschreibung von Vorstandposten gesetzlich regeln.
Den Frauen in der SPD geht das nicht weit genug.
VON KATHLEEN FIETZ
"Wir
wollen die Old-Boys-Networks aufbrechen", kündigt der Sprecher des
Frauensenators Harald Wolf (Die Linke) an. Lange hatte sich der Senator
gesträubt, sich für mehr Frauen in den Vorständen
landeseigener Betriebe einzusetzen: Er war der Ansicht, die
öffentliche Ausschreibung offener Vorstandsposten sei nicht der
richtige Weg, um geeignete Frauen zu finden. Nun liegt doch ein
entsprechender Entwurf für ein neues Landesgleichstellungsgesetz
(LGG) vor, über den demnächst im Abgeordnetenhaus abgestimmt
wird.
Weil Wolf sich so lange zierte, offene Vorstandsposten
öffentlich auszuschreiben, hat die Arbeitsgemeinschaft
Sozialdemokratischer Frauen (ASF) ebenfalls Vorschläge zur
Gesetzesänderung eingereicht: "Wir wollten irgendwann nicht mehr
warten und klarmachen, was wir wollen", erklärt Eva Högl,
Vorsitzende des Berliner Landesverbandes der ASF. Durch die
öffentliche Ausschreibung hätten viel mehr Frauen die Chance,
sich auf die Posten zu bewerben.
Der Anlass der geplanten Gesetzesänderung: 2008 hatten die
landeseigenen Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ein Vorstandsmitglied
für den Bereich Finanzen gesucht. Der Aufsichtsrat hatte den
Posten mit dem hausinternen Kandidaten Henrik Falk besetzt, ohne die
Stelle vorher öffentlich auszuschreiben. Doch zuvor hatte das
Abgeordnetenhaus das Berliner Betriebegesetz geändert. Dort
hieß es: Die Vorschriften des Landesgleichstellungsgesetzes, in
dem die öffentliche Ausschreibung geregelt ist, sollten auch bei
der Besetzung von Vorstandsposten unter anderem bei den
Verkehrsbetrieben gelten. Wolf war jedoch der Ansicht, dies habe "zu
keiner materiellen Rechtsänderung geführt". Sprich: Obwohl
das Gesetz geändert wurde, sollte alles so bleiben wie vorher.
Dafür hatten ihn Frauenpolitikerinnen von Koalition und Opposition
heftig kritisiert und ihm Rechtsbruch vorgeworfen. Die Abgeordnete
Canan Bayram begründete ihren Übertritt von der regierenden
SPD zu den oppositionellen Grünen unter anderem mit der aus ihrer
Sicht völlig unzureichenden Frauenpolitik der Koalition.
Der Frauensenator reagierte: Der Chefposten bei der landeseigenen
Investitionsbank, bei der Wolf Aufsichtsratsvorsitzender ist, wurde im
vergangenen Sommer öffentlich ausgeschrieben. So geschah es auch
mit dem in diesem Jahr freiwerdenden BVG-Vorstandsposten. Dieses
Verfahren der öffentlichen Ausschreibung soll nun so im Gesetz
verankert werden, dass auch der Senat es als verbindlich akzeptiert.
Gelten soll es für Vorstands- und
Geschäftsführungsposten der landeseigenen Unternehmen und der
Unternehmen mit Mehrheitsbeteiligungen des Landes.
Das ist den SPD-Frauen jedoch nicht genug: Neben der
Ausschreibungspflicht fordern sie unter anderem, dass die
Frauenvertreterinnen der jeweiligen Unternehmen gegen die Ernennung von
Vorständen ohne öffentliche Ausschreibung klagen können.
"Seit der rechtswidrigen BVG-Besetzung ist auch bei weiteren
Vorstandsbesetzungen das LGG nicht konsequent angewendet worden, ohne
dass dagegen rechtlich vorgegangen werden könnte", beklagt die
ASF-Landesvorsitzende Eva Högl.
Weiterhin fordert die ASF, dass Ausbildungsplätze öffentlich
und wiederholt nach sechs Wochen ausgeschrieben werden, wenn sich keine
Mädchen bewerben.
Da es insbesondere in Verkehrsunternehmen zu wenige Frauen in
Führungspositionen gebe - dies ist eine Einstellungsvoraussetzung
-, sei es nicht einfach, für den Posten eine Frau zu finden,
erklärt die Personalberaterin Sybille Uken, die einige Jahre im
BVG-Aufsichtsrat saß. "Aber es ist, wie bei anderen
Spitzenpositionen in der Wirtschaft auch, natürlich nicht
unmöglich, wenn man es wirklich will", entkräftet Uken das
oft vorgebrachte Argument, dass die beauftragten Headhunter keine Frau
für Führungspositionen gefunden hätten. Im vergangenen
Jahr betrug der Frauenanteil in den Vorständen öffentlicher
und teilöffentlicher Berliner Betriebe gerade mal 10,1 Prozent.
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